Warum müssen in unserer Zeit Tiere leiden – sind Tiere 2018 immer noch eine Sache?

Laut Tierschutzgesetz § 1 ist das Tier ein Mitgeschöpf des Menschen, dessen Wohlbefinden sowie Leben zu schützen sind. Einem Tier darf laut diesem Gesetz kein Schmerz zugefügt werden, es darf weder leiden müssen noch soll es absichtlich einen Schaden erfahren. Angesichts dieser Regelungen, die noch zusätzlich durch § 90 a des BGB (Tiere sind keine Sachen!) ergänzt werden, stellt sich die Frage, warum sie dennoch derart leiden müssen.

Elend und Hoffnungslosigkeit: Eingeschränkter Paragraf im Tierschutz?

Der genannte § 90 a zeigt wieder einmal wunderschön, wie dehnbar das deutsche Gesetz doch ist. Auf der einen Seite ist dort die Rede davon, dass Tiere keine Sachen seien. Auch, dass sie durch besondere Gesetze geschützt sind, womit wahrscheinlich das Tierschutzgesetz gemeint ist. Auf der anderen Seite steht dort aber unter Ziffer 3, dass die für Sachen geltenden Gesetze anzuwenden sind, sofern nichts anderes geregelt ist. Im Einzelfall heißt das also nichts anderes, als dass das Gesetz Auslegungssache ist. Wie sonst ließe sich erklären, dass Tiere immer noch wie Sachen behandelt werden, dass von einer Sachbeschädigung die Rede ist, wenn sie zu Schaden kommen und dass so viele Menschen empathielos wegschauen, wenn ein Tier gequält wird? Dabei sind es nicht nur die großen Quälereien der Nutztiere, die inzwischen hinreichend bekannt sind: Kühe werden verletzt transportiert, obwohl das angeblich nicht sein darf. Sie werden ohne ausreichende Betäubung geschlachtet, bluten bei vollem Bewusstsein aus. Männliche Ferkel werden ohne Betäubung kastriert, Küken bei lebendigem Leib geschreddert. Wie viele dieser Meldungen lesen Menschen und schauen darüber hinweg? Warum berührt es sie nicht im Innersten? Tiere sind fühlende Lebewesen, die sich lediglich aufgrund mangelnder Möglichkeiten unterordnen müssen. Weder können sie sich ausreichend verständlich machen noch reicht die Intelligenz für „Gegenmaßnahmen“ gegen den Menschen. Aber bedeutet eine eingeschränkte Intelligenz, dass Gefühle missachtet, Rechte missbraucht und Lebewesen gequält werden dürfen?

Hoffnungslosigkeit vorprogrammiert: Bloß niemanden verärgern

Sicher, die Schlachtindustrie gehört zur Wirtschaft und die meisten Menschen essen Fleisch. Das wäre insofern nicht verwerflich, wenn die Tiere bis zu ihrem Tod vernünftig und mitfühlend behandelt werden würden. Sie müssen nicht an einem Bein und lebend auf Schiffe verladen werden, die sie tot oder lebendig bis nach Asien bringen. Pferde müssen als Schlachttiere nicht in Deutschland aufgeladen und über viele Tausend Kilometer gefahren werden, weil die Transporteure und Schlachter für jeden Grenzübertritt eine Prämie erhalten. Worin liegt da die Logik? Es gibt Prämien für Züchter zum Erhalt der Rasse. Eine selektierte Zucht wird in des nicht betrieben, vielmehr geht es um das pure Vermehren. Der Überschuss hat kein Recht auf Leben, gelangt in die Mast oder wird gleich geschlachtet. Die EU bietet die Prämien. Wissen weder Regierung noch EU, was sie ansonsten Sinnvolles mit dem Geld anstellen sollten, dass sie es derart verachtenswürdig verprassen? Die Politik müsste längst dazu angehalten sein, etwas zu ändern. Doch wie so oft gilt auch hier wieder: Geld regiert die Welt! Der Wirtschaft wissenschaftlich Einschränkungen auferlegen, wenn sie doch so schön funktioniert? Natürlich nicht, rasch finden die verantwortlichen Politiker Ausreden und Entschuldigungen. Entscheidungen werden aufgeschoben, wohl frei nach dem Motto: Wenn die Tiere bis jetzt gelitten haben, ist es nicht schlimm, wenn es noch ein paar Jahre so weitergeht.

Dabei gibt es durchaus lächerliche Ansätze zu sehen: Der Wolf passt nicht mehr in die moderne Gesellschaft und gehört ausgerottet: Lässt das den Schluss zu, dass die Länder, die sich mit ihm schon immer arrangiert haben, allesamt rückständig sind? Kanada, USA, Osteuropa – ihr habt alle keine Ahnung und seid viel zu wenig modern! Oder die Rehe, die vermehrt geschossen werden sollen, weil aus reinen Nadelwäldern Mischwälder werden sollen. Die jungen Bäume werden von Rehen angefressen – also bloß weg mit den Rehen! Die Bäume vor dem Verbiss zu schützen, das ging vielleicht früher einmal, heute nicht mehr. Freiheit für Mensch (und Baum) und bloß weg mit den Tieren!

Das sagen Juristen über Leid und Elend der Tiere

Natürlich bestreiten Juristen vehement, dass das Gesetz derart dehnbar sei. Sie erklären, dass die speziellen Gesetze, die Tiere schützen sollen, immer Vorrang vor anderen Gesetzen hätten. Sachenrechte müssten angewendet werden, weil ansonsten beispielsweise der Kauf eines Hundes oder eines anderen Tieres nicht möglich sei – Tiere könnten Menschen eben doch nicht in jedem Fall gleichgestellt werden. Dies mag auch nachvollziehbar sein, Tierschützer sehen wohl auch weniger derartige Dinge als bedenklich an. Vielmehr geht es um den Umgang mit den Tieren. Andererseits: Wenn ein Mensch angeblich hart bestraft wird, weil er ein Kind jahrelang missbraucht hat und dann maximal vier Jahre mit Aussicht auf Bewährung bekommt – wer kann da noch erwarten, dass das Gesetz eine angemessene Strafe für einen Tierquäler vorsieht?
Im Endeffekt wird nur helfen, die Menschen für das Leid der Tiere zu sensibilisieren. Leider funktioniert das nicht über die immer häufiger eingeblendeten Videos über Quälereien. Auch die von einigen Tierschutzorganisationen verbreiteten Forderungen (Pferde dürften nicht mehr geritten werden!) sind Nonsens und helfen nicht gerade dabei, wirkliche Probleme im Tierschutz ernst zu nehmen. Seitens der Politik sind strengere Gesetze gefordert, die auch wirklich umgesetzt werden müssen. Erst dann ist ein Ansatz dafür geschaffen, dass die Menschen, wenn auch nicht aus Mitgefühl mit dem Tier, dann wenigstens aus Angst vor der Strafe anders mit ihren Mitlebewesen umgehen.

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